Vom 12. bis zum 18. Jahrhundert machten sich Jahr für Jahr hunderte Menschen in Europa auf, um zu Fuß nach Santiago di Compostella/Spanien, zum Grab des Apostels Jakobus zu pilgern.
Die Faszination dieses Weges gewinnt heute wieder immer mehr an Bedeutung.
Europa war im Mittelalter von einem Netz von Pilgerwegen überspannt.
Der am weitesten im Osten liegende Teil führt
von Wolfsthal (Hainburg) bis Feldkirch in Vorarlberg (803 km).
Dieser
Weg nach Hause beginnt vor unserer Haustür und somit auch der österreichische Teil, den Peter Lindenthal in seinem Buch "...auf dem Jakobsweg durch Österreich" beschrieben hat.
Es werden Kraftplätze wie Kirchen, Marterl, Hospize und Naturdenkmäler miteinander verbunden.
Wir treffen auch immer wieder auf die Spuren der Römer.
Der Gedanke, dass sich auch schon vor Hunderten von Jahren Menschen auf diesem Weg
auf die Suche gemacht haben, ist faszinierend und lässt Zeit und Raum bedeutungslos werden.
Der Jakobsweg war und ist für diejenigen, die ihn gingen und gehen nicht nur ein äußerer, sondern auch ein
innerer Weg (
siehe auch www.mein-weg.at von Gerda Siedl).
Seit über 10 Jahren gehe ich mit Gruppen in 8 Etappen an einem Sonntag im Monat bzw. in Blöcken zu drei und vier Tagen und dann gemeinsam in Blöcken von drei bis sieben Tagen diese Strecke.
Bis nach Feldkirch kann man es auf diese Weise,
Schritt für Schritt, in ein bis drei Jahren schaffen.
Die kürzeren Winteretappen eignen sich sehr gut dazu, die Kondition langsam aufzubauen, um für die längeren Frühjahrs- und Sommeretappen gerüstet zu sein.
Außerdem ist es gerade im Winter besonders genussvoll, einen ganzen Tag in der Natur unterwegs zu sein.
In der vergangenen Saison durften wir bei Sonnenschein und knirschendem Schnee den Naturpark Donauauen genießen.
Durch Tiefschnee stapfend sind wir von Purkersdorf nach Sieghartskirchen durch die sonnenbeschienene vom Glitzerschnee dekorierte Natur gegangen.
Ein wunderbares Erlebnis. Regen und Sturm habe uns aber auch nie abgehalten unser Ziel zu verfolgen.
Wir übernachten in Gasthöfen, Hotels, Jugendherbergen, Stiften, jenachdem was auf dem Weg liegt (alles wird von mir ein Jahr vorher organisiert.
Dabei sind 6-Bettzimmer die Attraktion, alle werden dann wieder 15 Jahre alt).
Für jeden ist
sein persönliches Ziel woanders - auch wenn es Santiago di Compostella heißt (
siehe auch Fotobericht meiner Jakobswegwanderung durch Spanien 2009 und Tagebuch meiner Jakobswegwanderung durch Frankreich 2010 als PDF Download).
Die bekannte Aussage, der Weg ist das Ziel, hat sich sicher für viele von uns bewahrheitet und dementsprechend finden sich ganz natürlich Suchende zusammen, die diese Gelegenheit miteinander zu sprechen, zu schweigen, zu beten, zu singen, an schönen Plätzen zu verweilen und endlos zu marschieren wahrnehmen und genießen.
Noch ist der Weg relativ unbekannt und dadurch kaum begangen, was ihn noch reizvoller macht.
Die Initiativen und die Kreativität der einzelnen Teilnehmer bereichern zusätzlich unsere Pilgerreise enorm und lassen sie so für jede Gruppe und für jeden Tag sehr persönlich werden.
Dieses niederschwellige Therapieangebot entspricht ganz den Grundsätzen der Logotherapie und Existenzanalyse Viktor Frankls:
- Wir begeben uns bewusst auf den Weg.
- Das Tempo des Gehens entspricht optimal unserem Körper, unserer Seele und unserem Wahrnehmungspotenzial - die Natur, das Wetter mit allen seine Facetten, lassen uns wieder den eigenen Ursprung spüren.
- Wir befinden uns in einem idealen Setting für Gespräche mit Gruppenmitgliedern, sowie bei Bedarf für Einzelgespräche und -beratung.
- Intensiviert wird das Angebot durch Gedankenimpulse verschiedener Art. Für jede Gruppe gestalte ich immer wieder "Denkzettel", es wird über Texte meditiert und auch schweigend gegangen, was die Wahrnehmung und dadurch das Wohlbefinden erhöht. Nach und nach finden die Teilnehmer immer mehr zusammen und es werden auch sehr persönliche Beiträge eingebracht - Entwicklung geschieht.
"Es geht nicht darum was ich nicht tue, sondern darum was ich tue." (Viktor Frankl)